"We Need To Take a Global Approach"

Wir haben unseren Richard von Weizsäcker-Fellow Lloyd Axworthy interviewt. Für ihn ist klar, dass die Flüchtlingspolitik globale Lösungen verlangt.

Sie waren kanadischer Außenminister und Minister für Arbeit, jetzt beschäftigen Sie sich mit deutscher Flüchtlingspolitik. Was kann Deutschland von Kanada lernen?

Lloyd Axworthy: Ich bin beeindruckt davon, was für ein großes Interesse in Deutschland an der Thematik vorherrscht. Doch wie überall auf der Welt werden Flüchtlinge häufig vor allem als Bedrohung gesehen. Die kanadischen Erfahrungen zeigen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen eine gute Sache sein kann – wenn man es richtig angeht.

Was genau läuft in Kanada so gut?

L. Axworthy: Wir haben beispielsweise das Konzept der privaten Unterstützung für Flüchtlinge. Nachbarn, Familien oder auch Kirchengemeinden können sich zusammentun und die Unterstützung für einen Flüchtling übernehmen – vom Sprachkurs bis hin zur Unterstützung beim Einkaufen. Die Flüchtlinge sind dann nicht mehr so isoliert, und die Kanadier haben das Gefühl, eine gesellschaftliche Entwicklung mitzugestalten.

Fehlt dieses Gefühl den Deutschen?

L. Axworthy: Ich habe schon den Eindruck, dass hier ein großer Enthusiasmus herrscht. Aber es gibt kaum Möglichkeiten, diesen einzusetzen, weil Flüchtlinge hier kaum Teil einer Gemeinschaft werden können.

Dieses Problem haben Sie weltweit beobachtet?

L. Axworthy: Ja. Kürzlich war ich in einem Flüchtlingscamp in Jordanien, 80.000 Flüchtlinge leben dort, und sie haben keine Möglichkeit, sich einzubringen.

Sie haben die Vision einer Weltflüchtlingsbehörde. Ist das realistisch?

L. Axworthy: Es ist notwendig. Es gibt derzeit 22 Millionen Flüchtlinge, und ihre Zahl wächst. Sie fliehen nicht mehr nur vor politischer Verfolgung, sondern auch vor den Folgen des Klimawandels und vielem anderem. Wir müssen das global angehen. Manche Länder wollen keine Flüchtlinge aufnehmen, andere wiederum nehmen mehr auf, als sie schaffen können. Das System bricht derzeit auseinander.

Während Ihres Aufenthalts gründeten Sie den World Refugee Council. Ist das der erste Schritt dorthin?

L. Axworthy: Wir haben zumindest die klare Mission, dass wir nun anfangen müssen, nach Lösungen zu schauen. Das Fellowship gab mir die Möglichkeit, viele wichtige Kontakte zu knüpfen. Im Rat diskutieren Minister mit Aktivisten und Flüchtlingen. Um eine Lösung zu finden, müssen alle zusammenarbeiten.

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