Die verschiedenen Facetten von Ungleichheit

Wer sich mit Fragen der Ungleichheit auseinandersetzt, muss die vielschichtigen Dimensionen dieses Themas berücksichtigen. Lesen Sie hier die Perspektiven von Branko Milanović, Jenny Ricks, Emilia Roig, Catherine Mulligan, Galip Dalay, Firoze Manji und Kristian Parker auf eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit.

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Vorwort von Sandra Breka, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung

Das wachsende Wohlstandsgefälle verstärkt gesellschaftliche Polarisierung. Tiefgehende Ungleichheit innerhalb von und zwischen Gesellschaften bedroht den sozialen Zusammenhalt und untergräbt die Legitimität politischer Institutionen. Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit wird lauter, während fortbestehende Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht und anderer sozialer Merkmale die Chancen vieler Menschen auf ein Leben in Würde mindert und sie daran hindert, ihr Leben gleichberechtigt zu gestalten.

Ungleichheit ist eng mit anderen drängenden Herausforderungen unserer Zeit verbunden. Der technologische Wandel, die Klimakrise und Migration haben das Potenzial, Ungleichheiten zu verstärken. Lösungen für diese globalen Herausforderungen erfordern eine Global Governance, die inklusiv gestaltet ist. Das Zitat von Robert Bosch „Sei Mensch und ehre Menschenwürde“ steht beispielhaft für sein geistiges Erbe. Ausgehend von diesem Vermächtnis prüft die Robert Bosch Stiftung, wie den negativen Folgen von Ungleichheit begegnet werden kann.

Gesellschaften gerechter zu gestalten, erfordert politischen Willen und politisches Handeln. Aber es bedarf auch eines besseren Verständnisses der tieferliegenden Ursachen, Dynamiken, Zusammenhänge und Folgen von Ungleichheit. Wir benötigen umfassende Kenntnisse über die Konzepte und Herangehensweisen, die die größte Wirkung versprechen. Darüber hinaus ist Ungleichheit kein eindimensionales Phänomen: Ihre verschiedenen Erscheinungsformen sind miteinander verflochten und beeinflussen einander. Ungleichheit ist tief in den Strukturen, Narrativen, Werten, Überzeugungen und Machtbeziehungen verwurzelt, die Gesellschaften formen und das Leben der Menschen von Geburt an bestimmen.

Wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf, wirkungsvolle Herangehensweisen zu identifizieren und zu fördern, die die Beziehungen zwischen verschiedenen Formen von Ungleichheit und Diskriminierung und die Wechselwirkungen mit andere globalen Herausforderungen berücksichtigen. Wir stellen Akteuren vor Ort die nötigen Ressourcen zur Verfügung, um Wissen und gute Praxis zu teilen und neue Denkansätze zu entwickeln, die die verschiedenen, sich bedingenden Formen von Ungleichheit und Ausgrenzung in den Blick nehmen.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Partnern, denn die negativen Folgen von Ungleichheit anzugehen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert die Kooperation aller relevanten Stakeholder. Dazu zählen multilaterale Institutionen ebenso wie Regierungen, Bürger, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

Branko Milanović: Covid-19 und die vielen Erscheinungsformen von Ungleichheit

Ungleichheit hat per Definition viele Facetten. Es gibt nicht nur einen Unterschied zwischen ungleichen Einkommen und ungleichen Vermögen, sondern es existiert auch die Ungleichheit zwischen Geschlechtern, Ethnien, Altersgruppen, Regionen innerhalb von Ländern usw. Wenn man einen Spaziergang durch eine Stadt wie New York macht, ist die Ungleichheit offensichtlich, allein wenn man von einer Nachbarschaft in die nächste geht. Daher ist es auch nicht überraschend, dass man eine Verbindung ziehen kann zwischen der Ungleichheit – in ihren vielen Erscheinungsformen – und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Ich denke, das ist sehr offensichtlich im Fall der USA, aber auch in vielen anderen schwer betroffenen Ländern wie Peru, Chile, Brasilien und Indien.

Ungleichheiten in allen Aspekten der Gesundheit sind in den Vereinigten Staaten ein bekanntes Phänomen. Sogar nach Obamacare leben fast 30 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung. Viele sind nur über ihren Arbeitgeber versichert. Wenn sie ihre Arbeit verlieren, wie während Pandemie geschehen, verlieren sie gleichzeitig ihre Krankenversicherung. Die Ungleichheit im Gesundheitsbereich hat zu Todesopfern geführt, auch wenn die meisten Krankenhäuser Covid-19-Patienten unabhängig von ihrem Versicherungsstatus behandelt haben. Die Krankenhäuser zeigten damit ein bemerkenswertes Verantwortungsbewusstsein – eines, das den Politikern offensichtlich fehlt.

Ungleichheit im Bildungssektor wird in diesem Zusammenhang selten erwähnt. Doch das niedrige Niveau der Grundschul- und Highschool-Bildung in den USA, gepaart mit weitverbreitetem Hausunterricht trug dazu bei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und vorbeugende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie von vielen Menschen zurückgewiesen wurden. Es ist kein Zufall, dass die USA weit vor Ländern mit vergleichbarem Einkommen liegen, wenn es um die Zahl von Menschen geht, die kruden Theorien oder Glaubenssätzen anhängen – von apokalyptischen Phantasien bis zur Idee, dass die Erde eine flache Scheibe sei. Diese Verstiegenheiten haben während der Krise ihre schädliche Seite gezeigt.

Das fragmentierte politische Entscheidungssystem schien zunächst hilfreich zu sein angesichts der Blockadehaltung der Bundesregierung in Washington. Aber das stellte sich als ein Trugschluss heraus: Die Unfähigkeit der eigentlich übergeordneten Bundesstaaten, Verordnungen und Regeln zur Eindämmung der Pandemie gegenüber den nachgeordneten Landkreisen und Städten durchzusetzen, führte zu einem Verwaltungschaos. Das trug zur zusätzlichen Verbreitung der Pandemie bei, weil das unterschiedliche Handeln der Landkreise zusammen mit der Bewegungsfreiheit der Menschen den Virus über größere Flächen verteilte.

Schließlich wurde auch die ungleiche Verteilung politischer Macht deutlich. Auch wenn die Verwaltungen der US-Bundesstaaten oder Landkreise entschlossen waren, harte Maßnahmen durchzusetzen, wurden sie von Unternehmen unaufhörlich unter Druck gesetzt. Politikern, denen die Bedeutung der finanziellen Unterstützung von Unternehmen in ihrem Wahlkampf bewusst ist, konnten sich deshalb schwerlich diesem Druck widersetzen. Am deutlichsten war das in Kalifornien zu sehen, wo aus einer Erfolgsgeschichte im frühen Kampf gegen Covid-19 ein Debakel wurde.

Die Ungleichheit bei den Opferzahlen – sie waren besonders hoch unter Schwarzen und Latinos – trug wahrscheinlich auch dazu bei, dass politische Gegenmaßnahmen stumpf blieben. Keine dieser beiden Communities verfügt über besonders große politische Macht. Unter den Latinos in Kalifornien, die zu den Opfern zählten, waren wahrscheinlich auch viele Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis und legalen Status. Das minderte ihren politischen Einfluss noch mehr. Ihr Tod spielte faktisch keine Rolle.

Das Ergebnis all dieser Prozesse war, dass ein demokratisches Land angesichts des Todes von Menschen gleichgültiger zu sein schien, als ein autoritäres Regime wie China. Und das schien nicht nur so, es war vielmehr Realität.

(Dr. Branko Milanović ist Ökonom und Professor an der City University of New York)
 



Jenny Ricks: Wer Ungleichheit bekämpfen will, muss Machtbeziehungen ausbalancieren

Beim Thema Ungleichheit geht es in Wirklichkeit um Macht. Privilegien und Reichtum werden eingesetzt, um ein Wirtschafts- und Sozialsystem in Gang zu halten, das den engen Interessen von Machteliten dient – auf Kosten der Gesamtgesellschaft und des Planeten. Wir müssen Machtbeziehungen ausbalancieren, um Ungleichheit wirklich zu bekämpfen.

Sowohl der Blick auf das große Ganze als auch persönliche Erfahrungen einer jeden Person lehren uns, dass die Ungleichheit ein kritisches Ausmaß erreicht hat. Das zeigen Statistiken, die regelmäßig die Schlagzeilen dominieren: So besitzen zum Beispiel 26 Superreiche so viel Reichtum wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,8 Milliarden Menschen, zusammen. Ungleichheit ist auch eine sehr persönliche Erfahrung: ob es sich um das fehlende Einkommen, mangelnde Karrierechancen, die Ausbeutung von Frauen, schlechte soziale Einrichtungen, wachsende Probleme bei der mentalen Gesundheit, die Gewalt in der Gesellschaft oder die Auswirkungen des sich beschleunigenden Klimawandels handelt. Wir beginnen erst jetzt zu verstehen, dass alle diese Probleme im Thema Ungleichheit verwurzelt sind. Und im Zeitalter von Covid-19 erreicht die Krise der sozialen Ungleichheit neue Extreme.

Die Fight Inequality Alliance wurde angesichts der Erkenntnis ins Leben gerufen, dass alle Ungleichheiten – Geschlecht, Ethnie, Klasse, Kaste und andere – intersektional sind und sich überschneiden. Wer Ungleichheit bekämpfen will, muss politische Inhalte und politisches Handeln beeinflussen. Es geht um Narrative, die Politik antreiben, um das Machtgleichgewicht und das Mitspracherecht. Dabei ist das Handeln auf der nationalen Ebene am wichtigsten. Es wird ergänzt und verstärkt, durch transnationales und globales Handeln mit dem Zweck politische Narrative und politische Inhalte zu verändern. Darüber hinaus will die Allianz lokale Möglichkeiten zur Selbstorganisation von Grassroots-Bewegungen schaffen. An den Frontlinien der Ungleichheit stehen junge Menschen, Frauenrechtsorganisationen und soziale Bewegungen im Mittelpunkt der Aktivitäten der Allianz.

(Jenny Ricks ist Global Convenor der Fight Inequality Allianz)
 



Emilia Roig: Die Ungleichheit innerhalb der Ungleichheit anpacken

All unsere Identitätsmerkmale sind miteinander verwoben. Es wäre unmöglich, die einzelnen Dimensionen, die uns ausmachen, zu separieren. Um die Verschränkung von unterschiedlichen Unterdrückungssystemen zu beschreiben, prägte Kimberlé Crenshaw 1989 den Begriff „Intersektionalität“. Seitdem werden weltweit soziale Probleme und strukturelle Ungleichheiten anhand dieses Konzepts analysiert und angegangen. Der Blick richtet sich jetzt nicht mehr nur auf die „Mehrheitsfrau“, sondern auch auf eine muslimische Frau mit Kopftuch, eine Roma-Lesbe und eine Transfrau* im Rollstuhl.

Intersektionalität heißt demnach, die Diskriminierung innerhalb der Diskriminierung zu erkennen und zu bekämpfen, die Ungleichheit innerhalb der Ungleichheit anzupacken, Minderheiten innerhalb von Minderheiten sichtbar zu machen, zu schützen und zu stärken. Intersektionalität fördert nicht nur eine mehrdimensionale Wahrnehmung der Realität, sondern auch radikale Solidarität unter unterschiedlichen sozialen Bewegungen und Minderheiten. Die feministische Bewegung, die antirassistische und dekoloniale Bewegung, die Umweltgerechtigkeitsbewegung, die LGBTQI+-Bewegung und die Bewegung für Behindertengerechtigkeit arbeiten tendenziell in parallelen Blasen. Der Mangel an Synergien schwächt ihr Potenzial enorm.

Bewegungen, die für eine Transformation der Gesellschaft und für soziale Gerechtigkeit kämpfen, müssen unbedingt mehr als eine einzige Dimension in den Blick nehmen. Deshalb sind zum Beispiel der Klimawandel und seine Folgen nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht zu analysieren, sondern auch aus einer anti-patriarchalischen und dekolonialen Perspektive. Das Konzept der Intersektionalität eröffnet die Möglichkeit, aus vielen einzelnen Fäden ein enges und starkes Gewebe zu knüpfen, und zur Entstehung einer gerechteren Welt beizutragen.

(Dr. Emilia Roig ist Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice)
 



Catherine Mulligan: Die digitale Welt braucht einen neuen Sozialvertrag

Im Jahr 2020 ist die digitale Ungleichheit besonders deutlich zum Vorschein getreten. Wegen der Covid-19-Pandemie verpassen Millionen Kinder den Anschluss an Bildung, während andere Fernunterricht bekommen. Das gleiche passierte in der Arbeitswelt: Einige Menschen verloren ihren Job, während andere im Home-Office weiterhin am Computer arbeiten können. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass digitale Ungleichheit ein reales Phänomen ist.

Die digitale Ungleichheit ist tief in unseren vorgefassten Ansichten darüber verwurzelt, wie die Welt funktioniert. Wir finden es normal, dass einige „weniger“ und andere „mehr“ bekommen. Seit dem Beginn des Informationszeitalters in den 1960er Jahren spiegelt die digitale Welt ein Wirtschaftssystem wider, das auf Ungleichheit basiert. Tatsächlich wurden und werden die Ungleichheiten in der realen Welt durch die in der digitalen Welt noch verstärkt. Uns wird gesagt, dass wir Ungleichheiten bei der Datenakkumulation akzeptieren müssen: wegen der Kosten für die Datenspeicherung, wegen der notwendigen Investitionen und wegen der Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Datenanalyse erfordert.

Doch die digitale Revolution liegt in unseren Händen: Wir müssen uns der Herausforderung stellen, anders zu denken und zu handeln. Policymaker beschäftigen sich mit wichtigen, aber (zu) kleinen Dingen wie dem Schutz der Privatsphäre. Sie versäumen es aber, weitergehende, langfristige Folgen der Digitalisierung zu berücksichtigen. Die digitale Welt braucht einen neuen Sozialvertrag. In einer Welt, in der ein großer Teil unserer Daten dafür genutzt wird, um Profite zu erzielen, müssen wir unsere Vorstellung von Arbeit überdenken. Es erfordert Mut, unsere etablierten Vorstellungen über die digitale Ungleichheit aufzugeben, aber das ist die Herausforderung unserer Generation.

(Dr. Catherine Mulligan ist Ko-Direktorin des Centre for Cryptocurrency Research and Engineering am Imperial College London)
 



Galip Dalay: Der Teufelskreis aus Konflikten und struktureller Ungleichheit

Den Konflikten und Bürgerkriegen im Nahen Osten hat man viele Decknamen gegeben: ethnische, religiöse oder Stammeskonflikte sind nur einige davon. Diese Bezeichnungen beruhen auf der Annahme, dass die Konflikte auf Ur-Identitäten basieren. Ich behaupte das Gegenteil: Diese Konflikte sind das Ergebnis einer problematischen Beziehung zwischen den Staaten und ihren Bürgern, also eine Krise der Regierungsführung, sowie die Folgen von sozio-politischen, ökonomischen und rechtlichen Ungleichheiten.

Interne Konflikte und Bürgerkriege werden oft durch die strukturell ungleiche Behandlung von gesellschaftlichen Gruppen durch staatliche Autoritäten, den (dadurch) eingeschränkten Zugang zu Ressourcen, und die sozio-politische Struktur gesellschaftlicher Hierarchien angetrieben. Was wir zum Beispiel als religiöse Konflikte im Irak und in Syrien bezeichnen, sind in Wirklichkeit Streitigkeiten, die durch strukturelle Ungleichheit angefacht werden. Um es zu präzisieren: Die Kategorien „sunnitisch-schiitisch“ bzw. „kurdisch-arabisch“ repräsentieren nicht nur religiöse, nationale und sozio-politische Identitäten, sondern sie weisen auch auf unterschiedliche Stufen der Anerkennung durch den jeweiligen Staat und des Zugriffs auf Ressourcen hin. Wenn diese strukturellen Ungleichheiten erst einmal politisiert werden, was unausweichlich ist, führen sie zu einem Teufelskreis aus Konflikten.

So, wie sich Konflikte und staatliche Fragmentierung gegenseitig verstärken, so verstärken sich auch Konflikte und Ungleichheiten gegenseitig. Konflikte verschärfen Missverhältnisse und schaffen Asymmetrien in der Verwundbarkeit unterschiedlicher sozialer Gruppen und politischer Akteure. Dies wiederum dient als Treibstoff für existierende Konflikte und säht zukünftige. Der Nahe Osten ist ein anschauliches Beispiel dafür, um diese enge Verknüpfung zwischen Konflikten und Ungleichheiten zu beobachten.

(Galip Dalay ist Fellow der Robert Bosch Academy.)
 



Firoze Manji: Die Mächtigen geben nichts ab ohne Gegenleistung

Als die kapitalistische „Demokratie“ in den USA gegründet wurde, hatten nur weiße, männliche Land- und Sklavenbesitzer das Wahlrecht. So wurde im Grunde eine Sphäre der Privilegierten, eine Art „heilige“ Sphäre geschaffen. Alle, die zu ihr keinen Zutritt hatten, wurden in die Sphäre der Opfer verbannt. Die Demokratie wurde auf Genozid, Kolonialisierung und Sklaverei erbaut. Das war das Fundament der weißen Vorherrschaft. Alle darauffolgenden Reformen der Demokratie wurden nicht freiwillig und aus Großzügigkeit gewährt, sondern hart erkämpft: Frauen erkämpften sich das Wahlrecht durch organisierte Massenproteste, es wurde ihnen nicht geschenkt. Die Sklaverei endete durch Sklavenaufstände, wie zum Beispiel die siegreiche Sklavenrevolte von 1791 bis 1804, die zur Gründung Haitis führte.

Es ist das besondere Wesen des Kapitals, dass es seine Profite aus der Ausbeutung von Bauern und Arbeitern zieht. Diese Menschen verbannt es in die Sphäre der Opfer. Frederick Douglass hat es auf den Punkt gebracht: „Die Mächtigen geben nichts ab ohne Gegenleistung. Sie haben es nie getan und sie werden es niemals tun.“ Deshalb erfordert der Kampf gegen die Ungleichheit, dass die am stärksten Unterdrückten und Ausgebeuteten sich nach ihren eigenen Regeln organisieren. Nicht um Gleichheit zu erreichen, sondern vielmehr Freiheit und die Fähigkeit, über ihr eigenes Leben zu bestimmen.

(Dr. Firoze Manji ist ehemaliger Afrika-Direktor von Amnesty International und Fellow der Robert Bosch Academy.)
 



Kristian Parker: Die Umweltschutz-Community kann die Klimakrise nicht alleine bewältigen

Schon mit der Gründung unserer “Climate Justice Initiative“ im Jahr 2015 erkannte die Oak Foundation, dass die Umweltschutz-Community die Klimakrise nicht alleine bewältigen konnte. Wir brauchten eine breitere, inklusivere Bewegung. Eine Bewegung, die die tiefgreifenden Ungerechtigkeiten, welche sich in einem Zusammenspiel von Klimawandel mit Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft und Hautfarbe entfalten, anerkennt und ernst nimmt. Heute ist der Ruf nach Klimagerechtigkeit und einer gerechten Wirtschaft noch lauter geworden. Immer mehr Graswurzelbewegungen wie „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ verlangen gesellschaftliche Veränderungen, um einen lebenswerteren und gerechteren Planeten zu schaffen – in einer Welt, in der der Klimawandel Realität ist.

Unsere Investitionen in den „Climate Justice Resilience Fund“ sind ein wichtiges Mittel, um diese Impulse zu verstärken. Sie setzen auf die Kraft von Frauen, der Jugend und indigenen Völkern nutzt. Sie fordern Veränderungen und die Schaffung von Klimalösungen, die ihre Wasser-, Energie- und Ernährungsbedürfnisse auf dem Weg in eine widerstandsfähigere Zukunft erfüllen. In den kommenden Jahren wird sich die Oak Foundation auf Maßnahmen konzentrieren, die uns einer Welt mit sauberer Luft und gesunder, nachhaltiger Nahrung näherbringen – zum Wohle der gesamten Menschheit und vor allem auch der kommenden Generationen.

(Dr. Kristian Parker ist der stellvertretende Vorsitzender des Kuratoriums der Oak Foundation.)

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