Entwicklungspolitik
„Als ich als Kind nach Indien reiste, war ich zutiefst erschüttert von der Armut, die ich am Hauptbahnhof von Kalkutta sah.“ Diese Erfahrung sollte Suma Chakrabartis vier Jahrzehnte währende Karriere in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit prägen – und ihn immer zu der Frage führen, was Entwicklungsmaßnahmen tatsächlich zum Erfolg führt. Empathie ist für ihn seither ein fester Bestandteil seiner Tätigkeit als Berater.
Chakrabarti begann seine berufliche Laufbahn als ODI-Stipendiat in Botswana von 1981 bis 1983, wo er an Kosten-Nutzen-Analysen von Infrastrukturprojekten arbeitete. Diese Erfahrung brachte ihn mit den Realitäten der Entwicklungspolitik vor Ort in Berührung und prägte sein langjähriges Engagement für Schwellenländer. „Einer der Gründe, warum ich gut mit Menschen unterschiedlicher Kulturen in Kontakt treten kann, ist, dass ich selbst unterschiedliche kulturelle Wurzeln habe“, sagt Chakrabarti, der in der indischen Region Westbengalen geboren wurde, aber als Kind mit seinen Eltern nach England zog.
Nach seiner Zeit in Botswana trat Chakrabarti in den britischen Staatsdienst ein und bekleidete Führungspositionen in verschiedenen Ministerien, darunter im Finanz- und Justizministerium, im Kabinett und im Ministerium für internationale Entwicklung. In diesen Funktionen war er an der Schnittstelle zwischen Politik, Regierungsführung und Umsetzung in komplexen institutionellen Rahmenbedingungen tätig.
Im Jahr 2012 wurde Chakrabarti Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, eine Position, die er bis 2020 innehatte. Während seiner Amtszeit leitete er die strategische Expansion der Bank und vertiefte deren Engagement in Ländern, die sich im Übergang zur Marktwirtschaft befanden. Seitdem leistet er als Vorstandsvorsitzender von ODI Global, als unabhängiges Vorstandsmitglied von ReNew Energy Global PLC und als Berater der Präsidenten von Kasachstan und Usbekistan weiterhin einen Beitrag zur globalen Entwicklung.
Als Fellow der Robert Bosch Academy in Berlin im Jahr 2026 untersucht Chakrabarti, wann und wie ausländische Berater in Schwellenländern erfolgreich sein können. Auf der Grundlage seiner Erfahrungen beleuchtet er die politischen, fachlichen und persönlichen Faktoren, die darüber entscheiden, ob Ratschläge effektiv umgesetzt werden.
Für Chakrabarti ist Empathie eine Grundvoraussetzung für die Beratungsarbeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. „Wenn man mit ausländischen Regierungschefs zusammenarbeitet, muss man verstehen, woher sie kommen“, sagt er. „Was motiviert sie? Wovor haben sie Angst? Man muss ihren Charakter tatsächlich verstehen, damit die Beratung Wirkung zeigt.“
Richard von Weizsäcker Fellowship 2026
Im Rahmen seines viermonatigen Richard von Weizsäcker Fellowships untersucht Suma Chakrabarti, warum außenpolitische Beratung für Regierungen in Schwellenländern in manchen Fällen erfolgreich ist, in anderen jedoch nicht. Auf der Grundlage seiner über vier Jahrzehnte langen Erfahrung konzentriert er sich darauf, welche Faktoren dazu beitragen, dass Beratung wirksam aufgenommen und umgesetzt wird.
Das Projekt gliedert sich in drei Dimensionen:
- Die politische Ökonomie der Beratungsarbeit (Rollen, Unabhängigkeit, Interessenkonflikte)
- Der fachliche Kontext (Umfang, Daten, institutionelles und kulturelles Verständnis)
- Die persönlichen Eigenschaften, die von Beratern über das fachliche Fachwissen hinaus verlangt werden.
Anhand von Interviews mit Beamten und Experten in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der EU sowie Fallstudien aus Botswana, Kasachstan und Usbekistan bündelt Chakrabarti die Perspektiven von Beratern und ihren Auftraggebern.
Das Ziel von Suma Chakrabarti ist ein Paper, das analysiert, wie ausländische Berater wirksamer zu Regierungsführung und Entwicklung in Schwellenländern beitragen können.