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Das Thema Bildung zieht sich als roter Faden durch das Leben von Phumzile Mlambo-Ngcuka. Aufgewachsen unter der Apartheid in Clermont bei Durban, unterstützte sie schon als Kind ihre Mutter darin, Alphabetisierungskurse in der Familienküche abzuhalten – für Erwachsene, die nie die Chance zu lernen hatten. Das Bild von Menschen, die entdeckten, dass sie lesen, schreiben und rechnen – und so ihr Leben selbst in die Hand nehmen konnten – hat sie nie losgelassen.
Nach ihrem Engagement im Soweto-Aufstand von 1976 wurde ihr das Studium in Südafrika verwehrt. Sie wich an die Universität von Lesotho aus, wo sie Geistes- und Erziehungswissenschaften studierte und sich weiter aktivistisch engagierte. Anschließend unterrichtete in Südafrika an ihrer früheren Schule und leitete parallel die Natal Organisation of Women – von den Sicherheitsbehörden beobachtet und mit einem Verlobten, der wegen seines eigenen Aktivismus im Gefängnis saß. 1984 wechselte sie zur World YWCA nach Genf, wo sie internationale Jugendprogramme leitete – und sich begleitend für die internationale Isolierung des Apartheidstaats einsetzte.
Ihre formelle politische Laufbahn begann 1994 im ersten demokratisch gewählten Parlament Südafrikas. Sie wurde Staatssekretärin im Handels- und Industrieministerium, dann Ministerin für Bodenschätze und Energie und 2005 Vizepräsidentin Südafrikas, die erste Frau in diesem Amt. In diesen Jahren trieb sie die “Joint Initiative on Priority Skills Acquisition (JIPSA)” voran, eine landesweite Initiative, um Südafrikas Bildungssystem besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts auszurichten.
Im Jahr 2008 schied sie aus der Regierung aus und gründete die Umlambo Foundation, eine Stiftung für Bildungsgerechtigkeit, die heute mit über sechzig Schulen in Südafrika zusammenarbeitet; zudem ist sie Kanzlerin der Universität Johannesburg. Parallel promovierte sie an der Universität Warwick in Großbritannien über den Einsatz mobilen Lernens in der Lehrerausbildung an ressourcenarmen Schulen. Von 2013 bis 2021 leitete sie UN Women, wo sie unter anderem die Kampagne „HeForShe“ initiierte und Finanzzusagen in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar für die Gleichstellung der Geschlechter mobilisierte.
2026 ist Phumzile Mlambo-Ngcuka Richard-von-Weizsäcker-Fellow an der Robert Bosch Akademie. Sie untersucht, wie Deutschland junge Menschen auf die Arbeitswelt vorbereitet und welche Erkenntnisse sich für Südafrika und das weitere Afrika übertragen lassen, um die am schnellsten wachsende Jugend der Welt für die Anforderungen ihrer aufstrebenden Volkswirtschaften zu befähigen.
Richard von Weizsäcker Fellowship 2026
Afrikas Jugend für die Arbeitswelt von morgen befähigen
Afrika hat die jüngste und am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt. Bis 2050 wird jeder vierte Mensch in der globalen Erwerbsbevölkerung Afrikanerin oder Afrikaner sein. Ob das eine Chance wird oder eine Krise, hängt von einer einzigen Frage ab: Können afrikanische Bildungssysteme junge Menschen darauf vorbereiten, in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zu bestehen? Derzeit, so Phumzile Mlambo-Ngcukas Überzeugung, gelingt das viel zu selten.
Die Lücke zwischen Bildung und Arbeit
Phumzile Mlambo-Ngcuka kennt dieses Problem aus vielen Perspektiven: Als Vizepräsidentin Südafrikas trieb sie die „Joint Initiative on Priority Skills Acquisition (JIPSA)“ voran, eine nationale Initiative, die die Kluft zwischen der in Südafrika vermittelten Schulbildung und den Kompetenzen, die seine Wirtschaft brauchte, überbrücken sollte. Ihre kritische Beobachtung: Viele Absolvent:innen verfügen über Zeugnisse, aber keine relevante Berufserfahrung – und wenig Chancen, diese zu erwerben. Sie initiierte Programme, die junge Südafrikaner:innen für Praktika ins Ausland, darunter auch nach Deutschland vermittelten. Die strukturelle Lücke zwischen Bildung und Arbeitswelt ist jedoch bis heute nicht geschlossen.
Wo Deutschland Vorbild sein kann
Das duale Ausbildungssystem in Deutschland – die Verbindung von schulischem Lernen und Ausbildung im Betrieb – ist weltweit eines der am intensivsten studierten Modelle für die Verbindung von Bildung und Arbeitsmarkt. Als Fellow möchte Phumzile Mlambo-Ngcuka Inneneinblicke in dieses System erhalten und untersuchen, auf welchen Bedingungen es beruht, was es tatsächlich leistet und was sich möglicherweise auf die sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte in Südafrika übertragen lässt. Dazu sucht sie das Gespräch mit Unternehmen, Bildungseinrichtungen, politischen Entscheidungsträger:innen sowie mit jungen Menschen selbst.
Den Erkenntnistransfer gestalten
Im Rahmen ihrer Fellowships plant Phumzile Mlambo-Ngcuka, konkrete politische Empfehlungen für Südafrika zu erarbeiten und tiefere Beiträge zur Debatte über Afrikas Jugend und die Zukunft der Arbeit zu entwickeln. Sie ist überzeugt: Bildung muss auf Problemlösung ausgerichtet sein. Sie muss Menschen hervorbringen, die Arbeit schaffen – nicht solche, die sie suchen. Und sie muss junge Menschen ernstnehmen, nicht als Empfänger:innen und Empfänger, sondern als Gestalter:innen von Zukunft.