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Julia Cimafiejeva ist Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin. In ihrem Fellowship fragt sie, warum belarussische Narrative im europäischen Kontext weitgehend unsichtbar bleiben – und was sich verändert, wenn diese Perspektiven Teil einer gemeinsamen europäischen Erzählung werden.
Julia Cimafiejeva ist Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin. In ihrem Schreiben verbindet sie poetische und dokumentarische Formen, persönliche Erinnerung und kollektive Geschichte. Ihre Arbeit setzt dort an, wo europäische Erzählungen lückenhaft bleiben – insbesondere im Blick auf Belarus und Osteuropa.
2020 verließ Julia Cimafiejeva Belarus aus politischen Gründen. Seither lebt sie im Exil, derzeit in Berlin. In ihren Texten untersucht sie, wie politische Gewalt, autoritäre Herrschaft und erzwungene Migration in Sprache, Körpern und familiären Geschichten fortwirken. Literatur wird dabei zu einem Raum, in dem individuelle Erfahrung und historische Umbrüche miteinander verschränkt sind.
Während ihres Fellowships an der Robert Bosch Academy beschäftigt sie sich mit der Frage, warum belarussische Narrative im europäischen Kontext bis heute weitgehend unsichtbar bleiben. Ausgehend von der Diagnose einer kulturellen „Abwesenheit“ fragt sie, wie diese Leerstelle entstanden ist – und was sich verändert, wenn belarussische Erfahrungen als eigenständiger Teil europäischer Geschichte und Gegenwart wahrgenommen werden.
Im Zentrum ihres Interesses steht dabei nicht Repräsentation im engeren Sinne, sondern die Erweiterung bestehender Erzählräume: Welche Geschichten aus Belarus fehlen in europäischen Debatten – und welche Perspektiven eröffnen sich, wenn sie hinzukommen? Ihre Arbeit knüpft an frühere literarische Projekte an, in denen sie familiäre Exilgeschichten mit den politischen Verwerfungen des 20. und 21. Jahrhunderts verbindet.
Das Fellowship versteht Julia Cimafiejeva als einen Freiraum für Reflexion, Austausch und vertiefte Recherche. Im Dialog mit Akteur:innen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft möchte sie neue Zugänge zu belarussischen Narrativen entwickeln – und Impulse für ihr weiteres literarisches Arbeiten gewinnen.