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Richard von Weizsäcker Fellow Ben Philips

Ben Phillips

Als Schüler einer elitären Londoner Privatschule zu Zeiten Margaret Thatchers gehörte Ben Phillips zu den wenigen Jungen, die ihre Politik kritisierten.

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Residency stay
Aug. 2026 – Febr. 2027
My question

Wie prägen Narrative die Gestaltung von Politik und wie lassen sich neue Erzählungen für eine bessere, gemeinwohlorientiertere Politik entwickeln? Warum herrscht in Deutschland und Europa eine Erzählung der Angst, die Multilateralismus und Solidarität mit dem Globalen Süden untergräbt – und welche Gegenerzählung baut Zusammenhalt wieder auf?

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Ben Phillips treibt dieselbe Frage sein ganzes Leben um: Wie entsteht Macht, wie hält sie sich, und wie lässt sie sich verschieben? Geboren 1976 in London, wuchs er zwischen zwei Welten auf – den christlichen Werten seines Elternhauses und der ganz anderen Wirklichkeit seiner Eliteschule mitten in der Thatcher-Zeit. Dieser Widerspruch prägte ihn früh. Als Jugendlicher beschloss er mitten in einer Schuldebatte über die Apartheid kurzerhand, nach dem Abitur ein Jahr als Lehrer in einem schwarzen Township in Südafrika zu verbringen. In Mamelodi erlebte er 1994 als einziger Weißer unter zwei Millionen Menschen, was die junge Demokratie versprach und wo sie scheiterte. Diese Zeit, sagt er, habe seinen weiteren Weg bestimmt. 

Er studierte Geschichte in Oxford und ging in die Kommunikationsarbeit bei einer Reihe von NGOs. Er übernahm leitende Aufgaben bei Save the Children, war Kampagnen- und Politikchef bei Oxfam und ActionAid, gründete die Fight Inequality Alliance mit und leitete die Kommunikation von UNAIDS. 2019 erschien sein Buch How to Fight Inequality, in dem er an 150 Jahren sozialer Bewegungen zeigt: Ungleichheit lässt sich beenden. Heute leitet er das Public Good Narrative Project am Global Cooperation Institute. 

Sein Kerngedanke: Nicht einzelne politische Entscheidungen, sondern große gesellschaftliche Erzählungen prägen die Richtungsentscheidungen in der Politik. Die Nachkriegserzählung von Zusammenarbeit schuf Sozialstaaten und das Völkerrecht; die neoliberale Erzählung baute sie wieder ab; nach 2008 folgte eine Erzählung der Angst. Als Richard von Weizsäcker Fellow geht Phillips der Frage nach, warum in Deutschland und Europa die Solidarität bröckelt und welche neue Erzählung den sozialen Zusammenhalt und internationale Kooperation wieder tragen könnte.

Lebenslauf

1976   Geboren in London, Vereinigtes Königreich 

1984-1994   St Paul’s School, London 

1994–1995   Lehrer und ANC-Aktivist im Township Mamelodi, Südafrika 

1995–1998   BA in Geschichte, New College, University of Oxford 

1999–2000   MA in Development Studies, Institute of Social Studies (ISS), Erasmus

2001–2008   Universität Rotterdam, Den Haag Führungspositionen u. a. bei der Children’s Society, Oxfam, Global Call to Action Against Poverty und Global Campaign for Education 

2009–2011   Asia Strategy and Programmes Director, Save the Children  

2011–2012   Campaign Mobilisation Director, Save the Children  

2012–2014   Campaigns and Policy Director, Oxfam 

2015–2017   Campaigns and Policy Director, ActionAid  

2017–2018   Mitbegründer und Launch Director, Fight Inequality Alliance 

2017   Resident Fellow zum Thema Ungleichheit, Rockefeller Foundation Bellagio Center 

2018–2019   Hewlett Fellow of Public Policy, Kellogg Institute for International Studies, University of Notre Dame 

2020   Veröffentlichung: How to Fight Inequality: And Why That Fight Needs You (Wiley) 

2019–2022   Berater für die Vereinten Nationen, Regierungen und zivilgesellschaftliche Organisationen; Autor 

2022–2024   Kommunikationsdirektor, UNAIDS 

2025–heute   Direktor, Public Good Narrative Project 

2026   Richard von Weizsäcker Fellow, Robert Bosch Academy, Berlin

Ben Phillips Richard-von-Weizsäcker-Fellowship

Die Story bestimmt das System: Solidarität in Deutschland und Europa durch progressive Narrative stärken

Warum geben Gesellschaften Solidarität auf? Ben Phillips’ Antwort darauf ist: weil man sie ihnen ausredet. Sein zentrales Argument lautet, dass nicht einzelne Maßnahmen, sondern vorherrschende Narrative prägen, was eine Gesellschaft für möglich und gerecht hält. Als Richard von Weizsäcker Fellow bringt er diesen Ansatz in den deutschen und europäischen Kontext.

Wie Erzählungen der Angst wirken

Deutschland, so Phillips, habe sich einst erzählt, dass es in einer gedeihenden Welt selbst gedeihen werde, und daher auf Multilateralismus, Völkerrecht und einen respektvollen Umgang mit dem Globalen Süden vertraut. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine, zwei Trump-Präsidentschaften und einer wachsenden Angst vor Migration hat sich dieses Selbstvertrauen in eine Geschichte der Furcht verwandelt. Die Folge, sagt er, sei eine Erosion des „sozialen Europa“, eine sinkende Akzeptanz von Zuwanderung und ein schwindendes Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit. Seine nüchterne Diagnose: „Wir haben kein Migrationsproblem. Wir haben ein Solidaritätsproblem.“ 

Gegenerzählungen für Zusammenhalt und Solidarität

Während seiner Fellowship plant Phillips, die narrativen Treiber hinter diesen Diskursverschiebungen zu untersuchen. Er sucht das Gespräch mit Politiker:innen über das gesamte Spektrum hinweg, mit Medienschaffenden, der Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Stiftungen, ebenso mit europäischen Institutionen in Brüssel und Frankfurt. Besonders interessiert ihn, warum die etablierten Parteien sich so schwer damit tun, selbstbewusst für ihre eigenen Werte einzustehen, statt wie einige das anzubieten, was er „die AfD mit Wasser“ nennt. 

Es geht ihm nicht nur um Diagnose. Aufbauend auf seinem Public Good Narrative Project will Phillips politische und gesellschaftliche Führungskräfte darin unterstützen, Gegenerzählungen zu identifizieren, die sozialen Zusammenhalt und internationale Zusammenarbeit wieder aufbauen können, indem sie interessen- und wertebasierte Argumente verbinden. Seine Überzeugung: Zusammenarbeit ist im Interesse aller Länder. Und eine Gesellschaft, die ihre große Erzählung über sich selbst ändert, verändert auch, was ihre Macht darf.

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